Sprache als Superkraft
Die gute Nachricht zuerst: Verbales Charisma ist kein angeborenes Geschenk, jede/r kann es lernen. Worauf es dabei ankommt, erklärte Kommunikations- & Verhaltens-Profilerin Dr. Tatjana Lackner, MBA, in ihrem Vortrag Ende Jänner 2026 in der LernQuadrat-Zentrale in Wien. Die wichtigsten Basics für dein nächstes Referat haben wir hier für dich zusammengefasst.
Formel für verbales Charisma
Sprache lässt sich gezielt einsetzen, um gehört zu werden, zu überzeugen und zu inspirieren.
Damit das gelingt, sind die folgenden sechs Punkte entscheidend:
- Wortschatz: Erfolgreiche Redner*innen verfügen über einen ansehnlichen Wortschatz, der besonders gut mit sogenannten bunten Verben gefüllt ist. Wer beispielsweise statt „essen“ den Begriff „schlingen“ verwendet, erzeugt sofort ein Bild im Kopf der Zuhörer*innen.
- Kompetenz und Inhalt: Wir mögen Menschen, die etwas wissen oder können. Arbeite daran, deine Inhalte gut zu strukturieren: klarer Aufbau, nachvollziehbare Beispiele, Fakten belegen. Wer solide recherchiert und Fragen kompetent beantworten kann, wirkt zugleich selbstbewusster.
- Sprache: Sprich so, dass dein Publikum dir gut folgen kann. Baue Rückfragen ein und wähle verständliche Formulierungen. Denke daran, dass auch gutes Zuhören dich zu einem besseren Redner macht.
- Stimme – Bedeutung durch Klang: Die Stimme trägt viel Bedeutung. Daher sind Betonungen extrem wichtig. Sprich klar und deutlich, setze bewusst Pausen, betone Silben.
- Nervosität und Authentizität: Nervosität ist normal. Wichtig ist, dass du authentisch bleibst. Finde einen Weg, um die Aufregung in den Griff zu bekommen, beispielsweise durch Atemübungen.
- Engstirnigkeit: Verliere nicht den Bezug zu deinem Gegenüber – bleib menschlich und bei der Sache. An jeder dieser Schrauben kann nach Bedarf gedreht werden. Übung macht den Meister.
Weitere praktische Tipps:
- Zielorientierung und Struktur: Nutze eine klare Rhetorik-Grundstruktur mit Begrüßung, Hauptteil und Abschluss. Halte Sätze kurz, vermeide lange Monologe.
- Lerne die Regeln des geforderten Formats kennen und halte sie ein. Eine Präsentation beispielsweise soll überzeugen, ein Referat informieren.
- Sprech- oder Moderationskärtchen sind erlaubt, aber bitte nicht vorlesen. Viel besser: Hauptwort + buntes Verb als Gedankenstütze notieren. In der Praxis sind es nämlich oft die Verben, die uns im Vortrag fehlen.
- Die wichtigsten Sätze in deinem Referat sind der erste und der letzte Satz. Bereite sie gut vor, ohne sie auswendig zu lernen. So nutzt du den sogenannten Primacy-Recency-Effekt.
- Innerhalb von nur sieben Sekunden entscheidet der Zuhörer bereits, ob deine Präsentation interessant ist oder nicht. Hole dein Publikum daher schon beim ersten Satz ab. Verzichte auf altmodische Phrasen oder abgedroschene Zitate. Achte auf die Bild-Text-Schere.
- 3-L-Formel: Sprich langsam, logisch und laut. Verzichte auf lange Schachtelsätze, baue stattdessen kürzere Sätze mit bunten Verben.
- Achte auf Ausspracheregeln: Au klingt wie ao, Ei wird zu Ae und Eu spricht man als Oe aus. Konsonanten wie b, d oder g am Wortende müssen hart ausgesprochen werden, etwa in „Guten Tag“. Wer das befolgt, wirkt kompetenter.
- Vermeide lästige „ähms“, „so zu sagen“ oder schlechte Witze. Das kann für deine Zuhörer schnell mühsam werden.
- Dein Vortrag ist zu Ende, du bittest um Fragen, aber es kommt zu einer peinlichen Stille? Kein Problem. Jetzt kommen deine vorbereiteten Dummyfragen zum Einsatz, um den Dialog anzuheizen. Sie können gerne provokant sein, aber ohne persönliche Angriffe.
- Übe deine Präsentation laut und mit dem Smartphone: Nimm dich selbst auf und prüfe, ob du natürlich wirkst oder zu sehr abliest. Gleichzeitig kannst du auf diese Weise Selbstbild und Fremdbild gut abgleichen. Das hilft dir dabei, dich zu verbessern.
Fazit: Richtig eingesetzt wird Sprache zur echten Superkraft. Arbeite dazu gezielt an Wortschatz, Inhalt, Stimme und Atemtechnik. Setze auf kurze, starke Sätze, übe regelmäßig – vor dem Spiegel oder mit Aufnahme – und reflektiere dein Auftreten ehrlich. Mit etwas Training wird dein Redetalent sichtbar – und das schon in der nächsten Schulpräsentation.
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